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Grauer
Brief Nr. 69, März 2000 |
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Inhalt Schwerpunktthema
EU-Österreich: Das könnte uns auch passieren!
"Das könnte uns auch passieren!" Die 14 vorwiegend sozialistisch regierten EU-Staaten setzen ihr Mitgliedland Österreich wegen einer Regierungsbildung, die durch die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger zustande kam, unter Quarantäne und Drohungen. Argumentationsnotstand Selbstverständlich jammern die hiesigen EU-Befürworter, es sei nicht die EU, die gegen Österreich einherziehe, sondern es seien die EU-Staaten. Diese krampfhafte Differenzierung zeigt den Argumentationsnotstand der "EU-isten"! Die 14 EU-Staaten haben sich - erstens - auf die EU-Verträge berufen (u.a. Art. 6 und 7 des Vertrages über die Europäische Union*) und - zweitens - benützen sie die zentralen EU-Institutionen für ihren Kreuzzug gegen die nationale Souveränität. Und wieder erschallt in der politischen Wüste der Ruf, die EU müsse politisch noch stärker, noch zentralistischer werden, damit es in Europa zu "keinen Fehlentwicklungen" kommen könne. *Amsterdamer Vertrag: Artikel 6 (ex Artikel F) (1) Die Union beruht auf den Grundsätzen der Freiheit, der Demokratie, der Achtung der Menschenrechte und Grund- freiheiten sowie der Rechtsstaatlichkeit; diese Grundsätze sind allen Mitgliedstaaten gemeinsam. (2) Die Union achtet die Grundrechte, wie sie in der am 4. November 1950 in Rom unterzeichneten Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten gewährleistet sind und wie sie sich aus den gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen der Mitgliedstaaten als allgemeine Grundsätze des Gemeinschaftsrechts ergeben. Artikel 7 (ex Artikel F.1) (1) Auf Vorschlag eines Drittels der Mitgliedstaaten oder der Kommission und nach Zustimmung des Europäischen Parlaments kann der Rat, der in der Zusammensetzung der Staats- und Regierungschefs tagt, einstimmig feststellen, dass eine schwerwiegende und anhaltende Verletzung von in Artikel 6 Absatz 1 genannten Grundsätzen durch einen Mitgliedstaat vorliegt, nachdem er die Regierung des betroffenen Mitgliedstaats zu einer Stellungnahme aufgefordert hat. (2) Wurde eine solche Feststellung getroffen, so kann der Rat mit qualifizierter Mehrheit beschliessen, bestimmte Rechte auszusetzen, die sich aus der Anwendung dieses Vertrags auf den betroffenen Mitgliedstaat herleiten, einschliesslich der Stimmrechte des Vertreters der Regierung dieses Mitgliedstaats im Rat. Dabei berücksichtigt er die möglichen Auswirkungen einer solchen Aussetzung auf die Rechte und Pflichten natürlicher und juristischer Personen. Die sich aus diesem Vertrag ergebenden Verpflichtungen des betroffenen Mitgliedstaats sind für diesen auf jeden Fall weiterhin verbindlich. Die Infragestellung demokratisch durchgeführter Wahlen durch ausländische Kräfte ist eine krasse Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates. Es ist die grundlegende Aufgabe der Demokratie, den Bürgerinnen und Bürgern das Recht und die Freiheit zu verleihen, ihre Vertreter in die staatlichen Organe zu wählen. Offenbar ein Vorgang, welcher EU-Regierungen und EU-Funktionären fremd ist. Die Ereignisse zeigen auch auf, wie unhaltbar das Argument des Bundesrates ist, wonach ein EU-Beitritt die Souve- ränität der Schweiz stärken würde. Zwar spricht der Bundesrat nicht mehr direkt von Souveränitätsgewinn. Er versucht sich in Wortspielen: Um Qualität zu gewinnen, sei der EU-Beitritt ein freiwilliger Verzicht auf Selbstbestimmung. Dies führe anschliessend zu einem Souveränitätsgewinn auf höherer Ebene (vgl. Bundersrat Deiss anlässlich des Ustertags vom 21.11.99) (!). Wie oft hat die Schweizer Regierung in ihrer Hilflosigkeit festgestellt, die "politische Isolation" der Schweiz sei der Grund, dass die ausländischen Angriffe wegen unseres Handelns während des Zweiten Weltkrieges so heftig ausfielen. Wenn man UNO- und EU-Mitglied wäre, könnte man wenigstens auf Freunde zählen... Offenbar stehen dem UNO- und EU-Mitglied Österreich die befreundeten Regierungen nicht zur Seite, sondern fallen Österreich gerade deswegen in den Rücken, weil Österreich Mitglied der EU ist. Wir sind nicht bereit, freiwillig auf unsere Souveränität zu verzichten! Die Qualität der EU-Mitbestimmung mag ja für Politiker, Verwaltungsspitzen und Gewerkschaftsbosse attraktiv sein. Aber für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet der EU-Beitritt eine klare Entmachtung. Die überparteiliche AUNS kämpft für eine freie Schweiz und gegen den EU-Beitritt, damit wenigsens ein "Fleck" in Europa den Willen der Bürgerinnen und Bürger respektieren darf.
Die Strafmassnahmen der EU gegen Österreich Die am 31. Januar 2000 in Lissabon veröffentlichte Erklärung der portugiesischen EU-Präsi-dentschaft zu Österreich hat (in APA-Übersetzung aus dem Englischen) folgenden Wortlaut: Erklärung der portugiesischen Präsidentschaft der Europäischen Union im Namen von 14 Mitgliedsstaaten: Heute, Montag, 31. Jänner, informierte der portugiesische Ministerpräsident den Präsidenten und den Kanzler Öster- reichs und der portugiesische Außenminister notifizierte seinen österreichischen Amtskollegen über die folgende gemeinsame Reaktion, auf die sich die Staats- und Regierungschefs der 14 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union für den Fall geeinigt haben, dass in Österreich eine Regierung unter Einbeziehung der FPÖ gebildet wird. Die Regierungen der 14 Mitgliedsstaaten werden keinerlei offizielle bilaterale Kontakte auf politischer Ebene mit einer österreichischen Regierung unter Einbindung der FPÖ betreiben oder akzeptieren. Es wird keine Unterstützung für österreichische Kandidaten geben, die Positionen in internationalen Organisationen anstreben. Österreichische Botschafter werden in den EU-Hauptstädten nur noch auf technischer Ebene empfangen. Der portugiesische Premierminister und der Minister für Auswärtige Angelegenheiten haben die österreichischen Verantwortlichen bereits informiert, dass es in den bilateralen Beziehungen mit einer Regierung unter Einbeziehung der FPÖ kein business as usual geben wird. Lissabon, 31. Januar 2000 Einmal mehr erweist sich das deutsche Wochenmagazin "Focus" als besonders gut informiertes Blatt, was die Anti- Wien-Kampagne aus den Reihen der Europäischen Union betrifft: Ausgelöst habe die Aktion kein anderer als der österreichische Bundespräsident Thomas Klestil, teilweise sekundiert von alt SPÖ-Bundeskanzler Viktor Klima, der seine Felle davonschwimmen sah. "Treibende Kraft" für die Lancierung einer Aktion gegen Wien war darauf laut "Focus" SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder, unterstützt von seinem grünen Aussenminister Joschka Fischer. Ihnen komme das Verdienst zu, den portu- giesischen Regierungschef Antonio Guterres in seiner Eigenschaft als Vorsitzenden der "Sozialistischen Internatio- nalen" für energisches Handeln gegen Österreich gewonnen zu haben. Dass sich alle Sozialisten Europas damit für die Kampagne gegen Wien instrumentalisieren liessen, zeigte sich auch in der Schweiz: Die Präsidentin der SPS war mit von der Partie. Als der Balkan mit Brandschatzung, Plünderung und Massakern überzogen wurde, hüllten sich die EU-Gremien - nach eigenen Worten eine "Wertegemeinschaft" - jahrelang in Schweigen. Gegen die Zerstörung Tschetscheniens durch russische Panzer blieb die Wertegemeinschaft EU sprach- und tatenlos. Erst als der österreichische Souverän eine Partei, die Brüssel gegenüber gewisse Reserven zeigt, in die Regierungsfähigkeit erhob, begann sich Brüssel daran zu erinnern, dass eine Wertegemeinschaft gelegentlich auch gewisse Werte zu vertreten hätte, die Frage ist nur welche.
Die Schweiz ist eben nicht EU-Mitglied... Europarats-Vize Gjellerod über allfällige Sanktionen der EU Der dänische Sozialdemokrat Henning Gjellerod ist Vizepräsident der parlamentarischen Versammlung des Europarats. Er hatte zusammen mit den Schweizer Sozialdemokraten den Auftrag, die SVP - als Partei, die gegen den EU-Beitritt ist - in die rechtsextreme Ecke zu stellen. Wes Geistes Kind diese Leute sind, erfahren sie im folgenden Interview (Sonntagszeitung 13.2.2000): SonntagsZeitung (SZ): Henning Gjellerod, als Autor des Berichts des Europarats über extremistische Parteien müssen Sie hoch zufrieden sein mit der Erklärung der EU-Regierungen gegen Österreich. Henning Gjellerod: Oh, ja. Die Erklärung liegt genau auf der Linie des Berichts, den die parlamentarische Versammlung des Europarats vorige Woche mit überwältigendem Mehr verabschiedet hat. SZ: Darin werden Jörg Haiders FPÖ und auch Christoph Blochers SVP als Parteien mit fremdenfeindlicher oder rassistischer Tendenz bezeichnet, mithin als «grösste Gefahr für die Demokratien in Europa». Gjellerod: Richtig. Deshalb war ich auch so positiv überrascht vom Entschluss der 14 EU-Regierungen, mit einem von der FPÖ mitregierten Österreich keine bilateralen politischen Kontakte zu unterhalten. So etwas gab es noch nie. SZ: Es wurde ja zuvor auch noch nie offiziell moniert, die FPÖ stehe im Konflikt mit den Menschenrechten. Ihr Bericht hat der EU ein wichtiges Argument geliefert. Gjellerod: Die zeitliche Nähe zwischen unserem Bericht und der Erklärung der EU-Regierungschefs ist wahrscheinlich zufällig - obwohl man schon den Eindruck haben könnte, sie hätten unser Papier aufmerksam gelesen. Haiders FPÖ ist darin ja ausdrücklich erwähnt ... SZ: ... genau so wie Blochers SVP. Müssten die EU-Staaten gegen Bern also die gleichen Sanktionen ergreifen wie gegen Wien, wenn die Schweiz Mitglied wäre? Gjellerod: Eigentlich schon. Wenn die EU-Regierungschefs konsequent sind, müssen sie mit der Schweiz gleich verfahren wie mit Österreich. SZ: Entweder SVP raus aus dem Bundesrat oder keine direkten politischen Kontakte mehr mit Bern? Gjellerod: Ja. Nur ist die Schweiz eben nicht Mitglied der EU. SZ: Aber des Europarats. Gjellerod: So konkret war die Schweizer SVP in Strassburg noch nie ein Thema. Abgesehen davon kann der Europarat nur Empfehlungen abgeben. Und auf die Zusammensetzung der Regierungen seiner 41 Mitgliedsstaaten kann und will er keinen Einfluss nehmen. Im Bericht ist nirgends die Rede davon, dass irgendwelche Personen nicht gewählt werden dürfen. SZ: Immerhin regen Sie an, Politikern die Wählbarkeit abzusprechen, die direkt oder indirekt zu xenophobem Verhalten ermuntern. Wer soll das entscheiden? Gjellerod: Das hat auf politischem Weg zu geschehen. Instanzen wie etwa die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz können zwar Empfehlungen abgeben. Aber letztlich braucht es einen politischen Entscheid; so wie unser Bericht das Resultat eines ordentlichen politischen Verfahrens ist. SZ: Manche Politiker propagieren die Einbindung rechtspopulistischer Parteien in die Regierungsverantwortung als Mittel, um deren Einfluss einzudämmen. Gjellerod: Der Europarat warnt seine Mitgliedsstaaten ausdrücklich davor, dies zu tun. Mein Bericht wurde in der parlamentarischen Beratung sogar durch eine entsprechende Empfehlung ergänzt. SZ: Eine Wahl Christoph Blochers in den Bundesrat widerspräche mithin dem Mehrheitswillen des Europarats? Gjellerod: Ja.
Kritische Stimmen aus der Schweiz EU-Einmischung in Österreich "In einer demokratischen Volksabstimmung vom 3. Oktober 1999 hat ein grosser Teil der österreichischen Bevölkerung der dort seit Jahrzehnten regierenden Sozialisten-Filzokratie der SPÖ die "rote" Karte gezeigt und mit rund 27 Prozent die FPÖ zur zweitstärksten Partei gewählt. Die dortigen Sozialisten, die den Staat, die Gewerkschaften und einen Teil der Wirtschaft für sich gepachtet hatten, verbunden mit einem unsäglichen Postenschacher und vielem anderem, reiben sich die Augen und sehen ihre äusserst lukrativen Felle davonschwimmen. Sämtliche SPÖ-Kollegen in der praktisch sozialistisch regierten Europäischen Union sind geschockt und eilen nun ihren Genossen in Österreich zur Hilfe. Sie mischen sich in einer höchst undemokrati- schen Art und Weise, die sehr zu denken gibt, in die inneren Angelegenheiten Österreichs ein. Gerade dieses Beispiel zeigt mit erschreckender Deutlichkeit, wie die europäischen Sozialisten auf einem Auge völlig blind sind und nun massiv auf einen kleinen Staat losgehen, bevor dort überhaupt etwas Negatives passiert ist. Die Schweizer werden sich hoffentlich das widerliche Vorgehen dieser Sozialisten-EU hinter beide Ohren schreiben und sich hüten, jemals einer solchen Despoten-Organisation beizutreten. Wo war die EU, als in Italien die Kommunisten und Faschisten in der dortigen Regierung Einsitz genommen haben und als der französische Präsident "seine" Atombombentests durchgestiert hat? Wir Schweizer müssen uns absolut im klaren sein, dass bei einer allfälligen EU-Mitgliedschaft die Brüsseler Diktatoren auch hierzulande bei Regierungsbildungen ihr Veto, verbunden mit happigen Drohungen, einlegen werden und unsere Volksdemokratie aus den Angeln gehoben würde. Hüten wir uns vor der sozialistisch-diktatorischen Brüsseler EU, in der korrupte Kommissare beiderlei Geschlechts jahrelang ihr Unwesen zu Lasten der Steuerzahler ungestraft betreiben konnten!" Rolf Baumann, Hausen am Albis [Zuschrift] "Ich habe das Heu nicht auf der gleichen Bühne wie Haider und bin lange nicht mit allem einverstanden, was er von sich gibt. Sehr interessiert verfolge ich die politischen Situationen in Deutschland wie auch in Österreich. Da dies aber ausschliesslich deren eigene Sache ist, auch wenn für uns unverständlich scheint, so müssen diese ihre Probleme selbst lösen und es steht uns nicht an, sich in deren Angelegenheiten einzumischen. Typisch ist nun aber, dass sich einmal mehr die roten Regierungen via die EU in interne Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen beginnen und den Österreichern vorschreiben wollen, was diese zu tun haben. Dies mit einem besonders starken Druck von allfälligen Sanktionen politischer Art. Deshalb Schweizer wacht endlich auf, oder was braucht es noch, um euch die Augen zu öffnen. Weist die immensen Anstrengungen gewisser Parteistrategen und des Bundesrates zurück, welche mit allen Mitteln sich bemühen, die Schweiz nicht nur der EU anzuschliessen, sondern wie das Beispiel Österreich zeigt, der EU zu unterwerfen. Gewissen Herren geht es doch nur um teuer honorierte Posten und nicht um die Interessen der Schweiz. Zusammenarbeit ja, aber nicht Anschluss, denn nun ist es klar erwiesen, dass uns dann von andern Ländern befohlen wird, was wir zu tun haben." Eugen Gfeller, Oberwald [Walliser Bote, 3.2.2000] "Ihre ganze Argumentation über die vermeintliche Nicht-Eigenständigkeit der Schweiz, ist nichts anderes, als die Aus- nutzung wirtschaftlicher Faktoren, um die gewünschte politische Schlussfolgerung ziehen zu können. Zwar sind Tele- kommunikation, Post, Elektrizität vollständig an EU-Normen angepasst, aber sie sind auch mit den US-Normen kompatibel; muss die Schweiz demzufolge der 51. amerikanische Bundesstaat werden? Ein "schönes" politisches Chamäleon, sind auch Sie selbst, Herr Pichler! Einerseits machen Sie sich in Ihren Texten stark gegen Multi-Kulti und den ungehemmten Zustrom von Einwanderern aus aller Herren Länder und werben zur gleichen Zeit für die EU, die neue Wellen von Immigranten aus der dritten Welt fördert?! Ich glaube nicht, dass das Schweizer Volk heute wie gestern auf sein, in der ganzen Welt beneidetes, demokratisches und wirtschaftliches Eigenmodell zugunsten für etwas Schlech- teres verzichten wird." Marc Le Monnier, Luzern [Neue Oltner Zeitung, 10.2.2000] "Wir können nicht aufgeben, dass unsere Bürger, persönlich verbunden am gemeinsamen Schicksal, dieses mitge- stalten wollen. Diese Option wäre uns bei einem Beitritt zur EU weitgehendst versagt. Als "lahme Bürger" und einge- schränkte Funktionäre würden wir zum wehrlosen Material von Grossraumstrategien einer zentralistisch und elitär agierenden Oberschicht." Hans Schmidhauser, Horgen [Neue Oltner Zeitung, 10.2.2000] "In seinem Kommentar redet Charly Pichler einem EU-Beitritt das Wort. Seine Fragen liegen weitab von den Fakten. Die Folgen eines EU-Beitrittes wären: Massive Einschränkung der direkten Demokratie resp. Abtretung unserer politischen Macht und Kompetenz an Brüssel / Aufgabe der Neutralität / Verlust einer eigenständigen Aussen- und Sicherheits- politik / EU-Zentralismus anstelle Schweizer Selbstbestimmung / Druck auf Arbeitsmarkt und Lohnniveau / Höhere Schuld- und Hypothekarzinsen, höhere Wohnungsmieten / Mehrwertsteuersatz von mindestens 15% / Zusätzliche Steuern / Diese zentralen Punkte sind entscheidend bei der Frage, welchen Weg die Schweiz gehen soll. Wenn unsere Gesellschaft überlebensfähig bleiben will, muss sie auch willens sein, ihre Probleme vor Ort zu lösen ohne das ganze Land nach Brüssel zu verkaufen. Schlussbemerkung: Aus welchem Grund werden wohl heute die meisten kriegeri- schen Konflikte (Tschetschenien, Balkan, Ost-Timor etc.) geführt? Weil all diese Völker unabhängig und frei sein wollen!" Walter Wobmann, Gretzenbach [Neue Oltner Zeitung, 10.2.2000] "Mitte der 70er Jahre brachten die roten Brigaden in Italien Politiker um, in Deutschland demonstrierten und randalierten Mitglieder der RAF. Noch kurz vor dem Fall des Regimes wallfahrten Genossen der SPS in das volksrepublikanische Paradies DDR. Sie sicherten dem Genossen Honecker noch Ende der 80er Jahre die volle Unterstützung zu. Keiner will mehr etwas davon wissen. Das sind die Extreme der Vergangenheit. Der Bombenterror der ETA in Spanien, der IRA in Nordirland, die immer noch praktizierte Todesstrafe in einigen Staaten der USA, in Israel die neuen, nach Geschlechtern getrennten Busse, alles sind Verstösse gegen die europäische Menschenrechtskonvention, um nur einige zu nennen. Aber keiner schreit nach Sanktionen noch wird ein Abbruch der diplomatischen Beziehungen in Erwägung gezogen. Auch das Österreich nach den Wahlen ist Gegenwart. Hier wird eine Partei, die auf demokratische Weise zur zweit- stärksten politischen Kraft wurde, auf ihren Vorsitzenden reduziert. Alle Welt schreit auf, Isolierung wird angedroht und teilweise durch den Abzug bestimmter Diplomaten auch schon eingeleitet. Die europäische Linke reagiert hysterisch. Für Demokraten muss doch nach wie vor gelten: "an den Taten sollten wir sie messen und nicht an ihren Worten: "Wohl stünde jenen an, die so sehr entrüstet sind, sich die Frage zu stellen: Warum sind solche Verschiebungen nach links oder rechts überhaupt möglich, was ist in der Vergangenheit falsch gelaufen? In Österreich hatten es wohl einfach viele Menschen, auch aus der SPÖ, satt, von der wohlgefälligen, verfilzten Mitte-links-Koalition regiert zu werden. Dieser Wechsel passt natürlich ganz und gar nicht in ein sozialistisches Europa, der Zukunft. Da aber Österreich ein EU-Land ist, wird die ganze Inszenierung auf Haider und einige Exponenten der FPÖ fokussiert. Vergleiche mit anderen bürger- lichen Parteien Europas werden mit erhobenem Zeigefinger angestellt, Mutmassungen und Warnungen werden laut. Die Frage darf nun aber doch gestattet sein: Sind Einmischungen in solche innerstaatliche Angelegenheiten unsere politische Zukunft?" Therese Bachofen, Grossrätin SVP, Rothrist [Zofinger Tagblatt, 11.2.2000] "Ich bin kein Politiker. Schüssel wollte nun einmal österreichischer Kanzler werden und dazu brauchte er Haider. Doch man kennt ja die Einstellung von Haider. Dass nun die EU Druck auf Österreich ausübt, ist falsch. Diese Länder, wie zum Beispiel Belgien, sollen einmal selbst bei ihnen ausmisten. Die Österreicher bedauern nun sicher, dass sie Mitglied der EU sind." Max Suter, Oberentfelden [Zofinger Tagblatt, 11.2.2000] "Klar ist Haider mit seiner Einstellung fehl am Platz. Jedes Land soll aber seine Regierung selbst bestimmen können. Das geht die EU nichts an. Auf keinen Fall muss die Schweiz in die EU, für die EU-Staaten wäre die Schweiz von Vorteil, aber nicht für uns." Elsbeth Salvisberg, Zofingen [Zofinger Tagblatt, 11.2.2000] "Ich habe davon gehört, dass viele gegen Haider sind und nun die jetzige österreichische Regierung nicht gut finden. Man weiss gar nicht, woran man ob so vielen Informationen ist. Eine Einmischung von aussen ist aber bestimmt nicht gut. Das spricht nun eher gegen einen Eintritt in die EU. Woher sollen wir auch das Geld dazu nehmen?" Céline Vonesch, Zofingen [Zofinger Tagblatt, 11.2.2000] "Die EU soll sich gefälligst nicht in alles einmischen. Es gibt überall Politiker, auch in der EU, die Dreck am Stecken haben. Das hat man nun wieder auch bei Kohl gesehen. Das zeigt, dass wir nicht in die EU müssen, wir kommen auch selbst durch. Die EU will sowieso nur unser Geld, und zu sagen hätten wir nichts." Hermann Wüthrich, Rothrist [Zofinger Tagblatt, 11.2.2000] "Ich teile die Befürchtungen von Josef Zehnder (Leserbrief vom 15. Februar) und ich finde es gut, dass wir noch nicht in der EU integriert sind. Mit der Schlussfolgerung von Josef Zehnder gehe ich aber gar nicht einig. Die Annahme der bilateralen Verträge ist nicht ein Schritt in die EU, sondern eher das Gegenteil: Sie sind eine Voraussetzung, um der EU nicht beitreten zu müssen. Wenn wir die bilateralen Verträge ablehnen, so schaffen wir die besten Voraussetzungen für unsere EU-Befürworter, weil dann die echte Alternative zum EU-Beitritt vom Tisch ist. Wir müssen uns den Realitäten rund um uns herum stellen, wenn wir eigenständig bleiben wollen. Es ist doch viel besser, die EU als Partner zu haben statt als Oberbehörde. Aus Prinzip immer und überall Nein zu sagen, das bringt uns nicht weiter. Ein Sprichwort sagt: "Stillstand ist Rückgang!". Wie gut die ausgehandelten Verträge im Detail sind ist schwierig zu beurteilen, vieles ist für uns sicher eher negativ, vieles aber auch positiv. Sicher positiv ist, dass wir uns als kleine eigenständige Schweiz der grossen EU gestellt haben. Diejenigen, die das für uns gemacht haben, sollten wir unterstützen und ihnen danken dafür. Darum finde ich es eigentlich logisch, dass, wer nicht in die EU will, den bilateralen Verträgen zustimmt." Karl Grau, Ibach [Bote der Urschweiz, Die Südostschweiz, 18.2.2000] "Was die EU-Sozialminister anlässlich ihrer Ministerrunde in Lissabon gegenüber der neuen österreichischen Sozial- ministerin aufführten, war eine äusserst penible Vorstellung. In der EU sei kein Platz für Rassismus und Fremden- feindlichkeit, liessen sie verlauten. Reine Heuchelei, wenn zu gleicher Zeit, als der Spanier Manuel Pimentel Siles der Österreicherin Frau Sickl den Gruss demonstrativ verweigerte, in seinem Land der Fremdenhass eskaliert und ganz eigentlich ausufert. Tausende machten Hatz auf zugewanderte Marokkaner und prügelten mit Schlagstöcken und anderen Instrumenten wahllos auf diese ein, ohne dass aus der Brüsseler EU-Zentrale etwas dagegen unternommen wird. Aus Protest gegen angeblich rassistische Tendenzen in der neuen österreichischen Regierung wurde Frau Sickl von allen Ministern und Ministerinnen völlig ignoriert und isoliert. Man verweigerte ihr gar das Gehör. Unter denen, die sich am vehementesten gegen die österreichische Ministerin hervortaten, war die Belgierin Onkelinx. Ausgerechnet die Vertreterin jenes Landes also, dessen Regierung ohne jegliche Hemmung ihre Landsleute ultimativ aufforderte, das Ferienland ab sofort zu meiden. Das ist nun wahrlich Rassismus pur. Früherhiess dies: "Kauft nicht bei Juden" . . ." Heini Weber, Zürch [Tages-Anzeiger, 18.2.2000] "Das Geschehen in Österreich stellt auch die schweizerische Aussenpolitik auf eine harte Probe. Angesichts der Stellung der EU gegenüber Österreich muss sich die Schweiz entscheiden, welchen Weg sie gehen möchte. Das Einmischen in die interne politische Angelegenheit eines souveränen Staates kann von einem freien demokratischen Land nicht unterstützt werden. Die Haltung der EU kann und darf nicht akzeptiert werden. Die Schweiz muss als Zeichen des Unmuts die Gespräche und die Entscheidungen über die bilateralen Verträge aussetzen, bis sich die EU offiziell bei dem Partner Österreich für die Einmischung in eine interne Angelegenheit entschuldigt hat.Sonst kann es passieren, dass der nächste Bundesrat von der EU bestimmt wird." Michael R. Schmid, Arbon [Tages-Anzeiger, 18.2.2000]
Kritische Stimmen aus dem Ausland Diktatur "Man muss mit keiner Partei und keinem Politiker sympathisieren, um zu erkennen, dass die EU eine Diktatur ist. Ausserdem ist sie eine Geldvernichtungsmaschine." Lilly Froewys, Bregenz Österreich, [Vorarlberger Nachrichten, 7.2.2000] "Nun wurde also in Österreich eine Revolution angezettelt. Es passierte das Ungeheuerliche, dass vom Volk in demo- kratischen Wahlen, ohne Zwang oder geistige Verwirrung, das bisherige, seit 30 Jahren gepflegte Proporzsystem mit einer "roten Karte" bedacht wurde. Die Mittel, mit denen die Abgewählten versuchten, eine Veränderung in Österreich zu verhindern, machen betroffen. Der bestehende Verdacht, dass "Hilfe" von aussen seitens der SPÖ und des Bundes- präsidenten bestellt wurde und Österreich damit ungeheuerlicher Schaden zugefügt wurde, ist umgehend zu unter- suchen. Die überzogenen Reaktionen vor allem seitens der EU-Partnerländer, die vom amtierenden Ministerpräsidenten in Bayern völlig zurecht als "diplomatischer Amoklauf" bezeichnet wurden, haben aber auch etwas Gutes. Es stellt sich radikal die Frage nach der politischen Identität der EU. Diese Frage wird und muss darauf hinauslaufen, ob es in Europa in Jahrtausenden gewachsene Kulturen geben kann oder nicht. Ich wage zu bezweifeln, dass ein Franzose, ein Brite, ein Grieche oder jeder andere EU-Bürger seine eigene Identität aufgeben wird können und sozusagen nach der "Brüssel-Doktrin" oder nur nach den Idealen der sozialistischen Internationalen" leben will. Ich will das auf jeden Fall nicht. Dieser am kleinen Österreich jetzt vorgeführte Sündenfall, der mit Lügen, Halbwahrheiten und vor allem mit Ignoranz arbeitet, muss und wird sich rächen. Eine jahrzehntelang ausgewiesene, tadellose und auch anerkannte demokratische Gesellschaft derart abzuqualifizieren und zu brüskieren macht es vielen Österreichern sicher nicht leicht, an dieses "Brüssel" zu glauben. Wir brauchen uns im Vergleich mit anderen Ländern überhaupt nicht zu schämen. Ich schäme mich vielmehr für diejenigen, die hochmütig und ignorant über andere in unzulässiger Weise geurteilt haben." Günther Strasser, Dornbirn Österreich [Vorarlberger Nachrichten, 14.2.2000] "Was sich die Herrschaften in Brüssel erlauben, spottet jeder Beschreibung. Uns Sanktionen aufhalsen, wo wir diese EU mit nicht geringen Zahlungen stützen und sicherlich nie das herausbekommen, was wir einzahlen, auch auf Umwegen nicht. Dass wir die EU brauchen, daran hab ich schon gezweifelt. So viel besser als vor dem Beitritt geht's uns auch wieder nicht. Dass es sogar ohne EU geht, beweisen uns täglich unsere Schweizer Nachbarn. Nun ich gehe davon aus, dass unsere Regierung weiss, wie man auf diese perfiden Sanktionen zu antworten hat." Hans Mohr, Bezau Österreich [Vorarlberger Nachrichten, 11.2.2000] "Ich bin beileibe kein Haider-Fan, was aber die EU und der grosse Rest der Welt da mit uns macht, ist ein Wahnsinn. "Isoliert müssen sie werden, Europa braucht kein Österreich, Quarantäne über dieses kleine verseuchte Land." Kurz, zur Hölle mit der Demokratie, wenn das dumme Volk nicht wählt wie es den Grossen Europas gefällt. Länder, die eben noch Atomtests durchführten, Länder, die bis vor kurzem nicht einmal wussten, wie man Demokratie schreibt, Länder, wo Politiker in Kinderpornoskandale verwickelt sind, Länder, die Kriege führen, Länder, die zu China diplomatische Beziehungen pflegen, solche Länder spucken grosse Töne, drohen mit Sanktionen, ziehen Botschafter ab, wollen uns zeigen, wo es langzugehen hat. Lange Zeit habe ich unsere Schweizer Nachbarn als egoistische Sonderlinge abgetan, heute muss ich gestehen, ich weiss nicht, will ich bei diesem Verein der Heuchler dabei sein?" Gunnar Waibel, Hohenems, Österreich [Vorarlberger Nachrichten, 9.2.2000] Als den "grössten Rückschlag der europäischen
Einigungsbestrebungen" bezeichnete der Ehrenparteiobmann der
Schwerpunktthema EU-Österreich: Presse-Stimmen Hannoversche Allgemeine, 27.12.1999: EU muss nicht alles entscheiden "Die Europäische Union muss endlich erkennen, dass sie nicht alles regeln soll. "Mit diesen Worten hat sich der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Heinrich-Wilhelm Ronsöhr für den Erhalt der nationalen und regionalen Wirt- schaftsförderung ausgesprochen. Die Mitgliedsländer der EU bräuchten Freiräume zur politischen Gestaltung. Wenn die EU-Kommission dies nicht mehr zulasse, werde es immer häufiger Entscheidungen geben, die ortsfremd seien und deshalb von den Menschen nicht mehr zu verstehen seien. Der Helmstedter Bundestagsabgeordnete warnte vor einem "ungeniessbaren Einheitsbrei" bei der Wirtschaftsförderung. Beanstandet wird von Ronsöhr auch die Absicht der EU-Kommission, in den alten Bundesländern gegen den Willen des Bundes und der Länder Wirtschaftsfördergebiete erster und zweiter Klasse durchzusetzen. Von einer solchen Regelung profitierten am Ende nur die neuen Bundesländer. Der CDU-Politiker sprach sich deshalb entschieden gegen eine Veränderung des Fördergefälles zu Ungunsten des Westens aus. Auf mittlere Sicht befürchtet Ronsöhr, dass die EU im Rahmen ihrer Erweiterung den grössten Teil ihrer Wirtschaftsförderung den Beitrittsländern im Osten Europas zukommen lässt." "Die Drohgebärde der EU ist dumm. Wer - wie
es Sabine Christiansen mit ihrer Haider-Ausladung tat alle Surfer Am 6. Februar 2000 war Österreich das Thema. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber distanziert sich klar von den selbstherrlichen EU-Allüren - und stellt dabei vor allem die Schweiz in den Mittelpunkt. "Die EU muss doch endlich auch in diesem Land mit seiner tief verankerten direkten Demokratie einmal ein zustimmendes Signal erreichen können. Mit den bilateralen Verhandlungen glaubte man sich auf gutem Weg - und jetzt macht Brüssel mit seinen unbedachten, rechtswidrigen Sanktionen gegen Österreich alles wieder zunichte!" kritisierte Stoiber. Als schweizerischer Zuschauer staunt man: Die Schweiz, einzige direkte Demokratie in Europa, ist also selbst für EU-Befürworter ein Massstab, an dem demokratisches Verhalten der Brüssler Zentrale gemessen wird. Aber Schweizer EU-Turbos werden uns weiterhin weismachen wollen, es gebe in Europa niemanden mehr, der von der "isolierten" Schweiz überhaupt noch Notiz nehme. "Es ist das Recht eines jeden Staats, der UNO, EU, NATO beizutreten - oder auch nicht. Norwegen zum Beispiel ist zwar UN- und NATO-Mitglied, hat aber den "angebrannten Braten" gerochen und den EU-Beitritt abgelehnt. Grund- sätzlich: Ein freiwillig vereinigtes "Europa der Vaterländer" (De Gaulle) ist an sich nichts Schlechtes. Ob aber bei den grossen, in Jahrhunderten gewachsenen Mentalitätsunterschieden der Europanationen (im Gegensatz zu den USA) wirklich eine bleibende EU sich bilden kann, steht auf einem anderen Blatt. Was für die Aussöhnung von Deutschland mit Frankreich und Grossbritannien gut war, muss nicht automatisch auch für andere Staaten gelten! Die Schweiz hat sich ihre Freiheit und Unabhängigkeit mit grossen Blutopfern von 1315 bis 1499 gegen Habsburg / Österreich und das deutsch-römische Kaiserreich erkämpft. Soll sie dann durch die "Hintertür EU" wieder in ein ähnliches Gebilde einverleibt werden? Soll auch sie jährlich Milliarden Schweizer Franken in ein Risikounternehmen investieren? Gewisse Länder beziehungsweise Brüssel treiben die Schweiz immer wieder an, sich "endlich" der EU anzuschliessen. Falls sie darauf hereinfällt, hätte Brüssel eine Zitrone mehr, die sie auspressen könnten." Raimund Breuninger, Bad Aibling Deutschland, [Oberbayerisches Volksblatt, 6./7.11.1999] "An den Hochschulen hat sich in den vergangenen Jahren eine neue politische Erkenntnis durchgesetzt. Diese Erkennt- nis formuliert eine völlig eindeutige Aussage: Kleine, flexible, von der Mitsprache der Bürger getragene Einheiten vermögen die Wechselfälle der Zeit weit besser aufzufangen als grosse Einheiten. Wird der Bürger von der demokra- tischen Mitsprache ausgeschlossen, dispensiert er sich vom Staatsgeschehen - der sicherste Weg, die Demokratie zugrunde zu richten. Kluge Politik geht darauf aus, die Mitsprache im kleinen zu sichern, statt Supergebilde entstehen zu lassen, welche die Demokratie abtöten. Der Friede wird gefährdet, wenn man Machtballungen und Machtblöcke neu entstehen lässt. Welche die demokrati- schen Mitspracherechte vernachlässigen, aushöhlen und verdrängen. Gegenüber diesen Machtballungen und Macht- blöcken ist "Vorsicht ist die Mutter der Weisheit" oder "Hütet Euch am Morgarten" angebracht." Zuschrift von Robert Gehrig, Brunnen, 3.1.2000
SonntagsZeitung vom 6.2.2000: "In der Schweiz geht es nur noch aufwärts" Die Schweizer Wirtschaft taucht endgültig aus ihrem langen Dornröschenschlaf auf. Die Konjunktur ist im letzten Quartal 1999 fulminant durchgestartet. Gemäss Berechnungen von UBS-Research ist die Wirtschaft im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 2,8 Prozent gewachsen - weit über dem Wachstumspotenzial von zwei Prozent. «Verglichen mit dem Vorjahresquartal», sagt Jan-Willem Acket, Chefökonom der Bank Bär, «dürfte das Wachstum gar 3,5 Prozent betragen haben.» Auch im ersten Quartal dieses Jahres wird die Wirtschaft gemäss UBS-Prognosen mit einer Drei vor dem Komma zulegen. Daniel Scheibler, Leiter Volkswirtschaft bei der Basler Privatbank Sarasin, ist deshalb überzeugt, dass die Wachstumsschätzungen von rund zwei Prozent für dieses und das kommende Jahr zu tief angesetzt sind. Er geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um satte 2,5 und 2001 gar um 2,7 Prozent steigen dürfte. Angeheizt wurde der Aufschwung bislang vom Privatkonsum, der mit rund zwei Prozent in- dessen an die obere Grenze gestossen sein dürfte. Jetzt, so sagen die Experten einhellig, werden die Exporte zum Konjunkturmotor. Derzeit wachsen sie mit 7,5 Prozent. Eine Umfrage der UBS bei 3900 Firmen hat denn auch klar gezeigt, dass sich der Geschäftsgang der Unternehmen schon 1999 besser entwickelt hat als erwartet. [SonntagsZeitung, 6.2.2000] Nach der Umfrage, die das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) quartalsweise bei rund 1100 Haushalten durchführt, verbesserte sich der Konsumentenstimmungsindex im Januar 2000 signifikant. Er stieg auf +18 Punkte, gegenüber +8 Punkten bei der Erhebung vom Oktober 1999 und -2 Punkten vor einem Jahr. Einen gleich hohen Stand hatte der Index letztmals im Hochkonjunkturjahr 1989 erreicht. Die drei Teilindizes, aus denen der Konsumentenstimmungsindex berechnet wird, erhöhten sich merklich. Die Einschätzung der Entwicklung der Wirtschaftslage in den vergangenen zwölf Monaten stieg von +23 Punkten im Oktober auf +34 Punkte im Januar 2000. Die vergangene und erwartete finanzielle Lage ihres Haushalts bewerteten die Konsumentinnen und Konsumenten spürbar positiver als in den vorangegangenen Erhebungen. Die übrigen Indikatoren, die nicht in den Konsumentenstimmungsindex einfliessen, bestätigten die bessere Konsumentenstimmung ebenfalls. Die Haushalte schätzten die weitere Wirtschaftsentwicklung nochmals optimistischer ein; dieser Index kletterte von +30 Punkten auf +37 Punkte im Januar, was den Höchststand dieses Index seit der erstmaligen Durchführung der Erhebung im 4. Quartal 1972 bedeutet. Die Sicherheit der Arbeitsplätze beurteilten sie praktisch gleich wie vor drei Monaten (-37 Punkte); vor einem Jahr hatte dieser Index noch bei -62 Punkten gelegen. Den Zeitpunkt für grössere Anschaffungen (Autos, Haushaltmaschinen, Möbel etc.) erachteten die Haushalte als merklich vorteilhafter (+5 Punkte gegenüber -3 Punkten im Oktober 1999). [Bern, 10.2.2000, Staatssekretariat für Wirtschaft] Die Firma Kaba Gilgen modernisiert für 120 Millionen Franken Hongkongs U-Bahn-Stationen. Die zur Kaba-Gruppe gehörende Firma in Schwarzenburg BE hat den Auftrag erhalten, die U-Bahn mit automatischen Bahnsteigtüren auszurüsten. Kaba soll alle 74 Bahnsteige der 30 U-Bahn-Stationen mit Abschlusstüren («Platform Screen Doors») ausrüsten. Auf 13,3 Kilometern Länge Perron werden 2960 dieser Türen errichtet, die das Perron vom Gefahrenbereich der Gleise trennen. Die Platform Screen Doors öffnen sich erst nach Einfahrt des Zuges zusammen mit den Zugtüren. Die Fertigungs- und Montagearbeiten beginnen Mitte Jahr, das Projekt läuft über sechs Jahre, wenn man die Wartungs- phase dazuzählt sogar sieben. Dank dem Auftrag entstehen 40 neue Stellen, die meisten davon in Schwarzenburg. Kaba hat bisher bereits in Frankreich und New York ähnliche Aufträge erhalten, die Kunden der Firma verteilen sich auf 40 Länder. Mit dem neuen Projekt könnte der entscheidende Durchbruch in Asien gelingen. Die Firma wurde 1961 von Jakob Gilgen sen. gegründet und beschäftigt in Schwarzenburg 300 Angestellte. [Berner Zeitung, 8.2.2000] Gemäss einer Studie des angesehenen Fraser Institute in Vancouver, Kanada, zählt die Schweiz zu den zehn wirt- schaftlich freiesten Länder der Welt (Rang 9). Das Fraser Institute hält fest, dass wirtschaftliche Freiheit die Grundlage für Wachstum, Reichtum, hohe Lebenserwartung und mehr Einkommensgleichheit sei. Länder mit hoher Regulierungs- dichte erzeugten das Gegenteil. Sehr gut werden die Kapitalsfreiheit, die Rechtsstaatlichkeit, die Eigentumsrechte sowie die Geldpolitik und Preis- stabilität bewertet. Ebenfalls als gut bezeichnen die Experten den Aussenhandel und die Freiheit des Finanzmarktes. [Neue Zürcher Zeitung, 13.1.2000] 1985 lag die Schweiz noch auf Rang 3. Hinsichtlich Staatsausgaben und Umverteilung hat sich unser Land konti- nuierlich verschlechtert. Der Erfolg der Schweiz liegt nicht im EU-Beitritt! Wir müssen selbst dafür sorgen, dass wir die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz nicht abwürgen durch immer mehr Steuern und Regulierungen.
1999 sind die Anzahl Konkurse in der Schweiz weiter zurückgegangen. Gemäss Aussage der "Creditreform" nahmen die Konkurse 1999 gegenüber dem Vorjahr um über 4 Prozent ab. Mit 8490 Konkursen wird die tiefste Zahl sei 1991 ausgewiesen. [Neue Zürcher Zeitung, 12.1.2000] Die Jahresarbeitslosigkeit ist 1999 auf 2,7 Prozent gesunken und erreichte den tiefsten Stand seit dem EWR-Nein von 1992. 1999 waren mit 92'399 Personen rund 30 Prozent weniger Personen ohne Arbeit als im Vorjahr. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen verbesserte sich von 29 auf 21,9 Prozent. [Berner Zeitung, 8.1.2000] Österreich kann trotz EWR- und EU-Beitritt 1999 nicht die tiefste Jahresarbeitslosigkeit seit 1992 ausweisen:
[Quelle: Vorarlberger Nachrichten 4.2.2000] Die privaten Arbeitgeber haben 1999 im Kanton Genf rund 1400 neue Stellen geschaffen. Nebst dem einheimischen Dienstleistungssektor haben ausländische Unternehmen rund einen Drittel zum Erfolg beigetragen. Der US-amerikani- sche Konzern Procter & Gamble (Kosmetik, Nahrung, Reinigung) zum Beispiel richtete sein Hauptquartier für Europa in Genf ein. Die Zahl der Mitarbeiter werde sich bis Ende 2000 versechsfachen. U.a. schufen die US-Firmen DuPont de Nemours, Hewlett Packard, Caterpillar, PricewaterhouseCoopers, Vendôme aus Frankreich, die deutsch-französische Bank United European Bank und die britische Lloyds Bank neue Arbeitsplätze. Bereits wird befürchtet, der Zustrom von ausländischen Unternehmen können durch den entstehenden Wohnungsmangel für Mitarbeiter abgebremst werden. [Neue Zürcher Zeitung, 6.1.2000] Und da gibt es noch Propheten, die behaupten, die Schweiz sei isoliert und verliere an Bedeutung! Unsere Diagnose: EU-Wahn macht blind! In einer Branchenumfrage (UBS und Beratung für Wirtschaft & Verwaltung bwv) beurteilt eine Mehrheit der 3900 befragten Unternehmer den Geschäftsgang im Jahr 1999 im Vergleich zum Vorjahr als besser. Die Unternehmen erwarten für 2000 einen verstärkten Aufwärtstrend. Eine Mehrzahl beabsichtigt, ihre Investitionen und Personalbestände auszubauen. [Neue Zürcher Zeitung, 19.1.2000] Der Genfer Pharmakonzern Ares-Serano hat den Umsatz im Geschäftsjahr 1999 um 14,8 Prozent auf 1,054 Mrd. $ gesteigert. [Neue Zürcher Zeitung, 19.1.2000] Die im Anlagenbau und in der Komponentenherstellung tätige Mikro Holding AG in Biel hat 1999 den Umsatz um 15 Prozent erhöht. Der Bestellungseingang wuchs um 18 Prozent und der Arbeitsvorrat um 24 Prozent. Für 2000 werde ein überproportionale Gewinnerhöhung budgetiert. [Neue Zürcher Zeitung, 19.1.2000] Die im Farbenbereicht tätige GretagMacBeth-Gruppe hat 1999 den Umsatz um über 24 Prozent gesteigert. In Europa wurden 54,4, in den USA 32,7 und in Asien 12,0 Prozent des Gesamtumsatzes erzielt. [Neue Zürcher Zeitung, 19.1.2000] Die in der Halbleiterbranche tätige SEZ-Gruppe erhöhte den Umsatz um rund 35 Prozent. [Neue Zürcher Zeitung, 19.1.2000] Der Verkaufsumsatz des Schweizer Ablegers der kalifornischen Hewlett Packard HP (EDV-Branche) ist um 15 Prozent gestiegen. Die HP Schweiz beschäftigt 592 Personen. [Neue Zürcher Zeitung, 21.1.2000] Der amerikanische Herzschritmacher- und Medizinalgeräte-Hersteller Medtronic hat seinen Europasitz im Kanton Vaud. Medtronic will in den nächsten zwei Jahren in ihre Schweizer Anlagen 50 Mio. Franken investieren. Der Präsident der amerikanischen Muttergesellschaft bekannte sich zum Schweizer Standort: Qualität der Mitarbeiter, saubere Umwelt und zentrale Lage in Europa. Im weiteren befänden sich in der Westschweiz bedeutende Forschungs- und Lehrstätten wie die ETH Lausanne, die Kaderschmiede IMD und das Centre Hospitalier Universitair Vaudois (CHUV). [Neue Zürcher Zeitung, 27.1.2000]
Integrations-Attacke auf die Wartezimmer "Schweiz global", das Magazin des Eidg. Departementes für Auswärtige Angelegenheiten (EDA), das jährlich 4-5 mal erscheint, soll nun auch die zahnärztlichen Wartezimmer erobern und Integrationsbegeisterung wecken. Die Zahnärztinnen und Zahnärzte der Schweiz haben zu diesem Zweck kürzlich von EDA-Informationschef Ruedi Christen zwei Exemplare von "Schweiz global" erhalten, mit der Bitte, das Abonnement für sich und zur Auflage im Wartezimmer zu bestellen. Das Magazin ist erhältlich in Deutsch, Französisch und Italienisch und selbstverständlich kostenlos. Der Steuerzahler macht es möglich! Das Magazin mit strammem Integrations-Verherrlichungs-Kurs soll auch den hinterletzten schmerzgeplagten Zahnarzt- patienten davon überzeugen, dass das Heil der Schweiz im Internationalismus, in der EU- und UNO-Integration, sowie in der NATO-Annäherung liegt.Aussenminister Joseph Deiss macht das "Integrationsgericht" auf für Leute mit schlech- ten Zähnen verdaulich, indem er sich bei seiner anschlussfreudigen Aussenpolitik von "ethischen Grundwerten stärker leiten lässt als von spezifischer Interessenwohnung"; so äussert er sich zumindest in einem Interview in "Schweiz global" Nr. 1/2000. Tatsächlich hat ein EU-Beitritt mit schweizerischer Interessenwahrung nichts zu tun: Wir hätten bekanntlich jedes Jahr etliche Milliarden Franken an Brüssel zu zahlen und dafür auch noch zentrale Volks- und Freitheitsrechte preiszugeben! Als Antwort auf die Wartezimmer-Offensive von "Schweiz global" scheint eine Gegenoffensive mit dem "Grauen Brief" der AUNS dringend nötig. Ob für diese Gegenoffensive auch Steuergelder erhältlich sind? Die direkte Demokratie wird regelmässig zum Sündenbock für "langsame Entscheidungsmechanismen" und "Wach- stumseinbussen" gestempelt. Ab und zu treten Unternehmer bzw. Banker auf, die gerne die Entscheidungsrechte der Bürgerinnen und Bürger einschränken möchten. Nun hat aber eine Studie von drei St. Galler Ökonomen die Forderung aufgestellt, die direkte Demokratie sogar auszubauen. Die Studie analysiert weiter, die Mitbestimmung des Volkes in Sachgeschäften führe zu einer effizienteren Politik und wirke auf den Staat ausgabenhemmend, u.a. falle die Steuerlast geringer aus. Dies führe zu einer besseren Steuermoral und tieferen Staatsschulden. Daraus resultiere eine bessere Wirtschaftsleistung. Die Ökonomen stellen zudem fest, dass das Ständemehr für eine effiziente Politik kein Hindernis darstelle. Die direkte Demokratie schaffe durch die Auseinandersetzung um Sachthemen eine demokratische Öffentlichkeit, welche gerade bei Entscheidungen der EU noch weitgehend fehle. [Neue Zürcher Zeitung, 21.1.2000]
EU-Belgien führt wieder Grenzkontrollen ein! Brüssel ist die Hauptstadt der Europäischen Union. Brüssel liegt in Belgien. Und gerade dieses Belgien führt wieder Kontrollen an seinen Landesgrenzen ein, welche vor rund fünf Jahren im Rahmen des Schengener Abkommens abge- schafft worden sind. In Belgien halten sich zwischen 50'000 und 100'000 illegale Einwanderer auf. Aus humanitären Gründen wollen die Belgier langjährigen Papierlosen den Aufenthalt legalisieren. Aber damit die Massnahme nicht missbraucht wird und keine weiteren Illegale ins Land strömen, wollen sich die Behörden wieder auf eigene Grenz- kontrollen verlassen. Das Vorgehen wird als Verstoss gegen den "Geist von Schengen" bezeichnet. Deshalb beab- sichtige die EU, durch schärfere Bestimmungen im Schengen-Vertrag die Durchführung von Grenzkontrollen im EU- Binnenland zu erschweren [Tages-Anzeiger, 16.1.2000] Österreich schützt seine Südgrenze erfolgreich mit dem Bundesheer und Belgien führt schärfere Grenzkontrollen ein. Die Schweizer Armee hält man offenbar von offizieller Seite für unfähig, die Landesgrenze zu kontrollieren. Dafür schickt man für über 50 Millionen Franken rund 140 Soldaten in den Kosovo und verführt das Volk mit der Behauptung, dies führe zu weniger Flüchtlingen! Und das Abseitsstehen von "Schengenland" sei die Ursache für zunehmende Kriminalität. Verantwortung abschieben ist eben einfacher als - unbequemes - Handeln! Das EU-Land Belgien hat zur Abwehr der "illegalen Einwanderung" die Grenzkontrollen auf unbestimmte Zeit wieder eingeführt. Wie der Presse zu entnehmen war, nahmen Hunderte von Zollbeamten ihre Arbeit an der Grenze auf. Belgien und acht andere EU-Staaten sind Unterzeichner des Schengener Abkommens, womit 1995 die Kontrollen zwischen ihren Grenzen aufgehoben wurden. Die Behörden schätzen, dass in Belgien zurzeit über 60'000 illegale Einwanderer leben. Um den Zustrom zu stoppen, hat die belgische Regierung - Schengener Abkommen hin oder her - rasch gehandelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Teil der an der belgischen Grenze Abgewiesenen in die Schweiz einzureisen versuchen wird, ist gross. Trotzdem regen sich die Behörden hier zu Lande nicht. Walter Koch, Dottikon [Tages-Anzeiger, 17.1.2000] Anlässlich eines Besuches in der Schweiz erklärte die EU-Kommissarin für Kultur, Viviane Reding, trotzig: "Weitere Sektorabkommen wird es sicherlich nicht geben, weil es keine Union à la carte geben kann und darf." Die Schweiz könne "nicht verlangen, die Rosinen aus dem Kuchen picken zu können". Im weiteren wolle sie nicht, "dass die Jugend aus der Schweiz auf einer Insel lebt. Sie soll die Chance haben, wie unsere Jugend mit Millionen Gleichaltrigen auf unserem Kontinent in Austausch zu treten." Und ausserdem solle die Schweiz der EU beitreten. Europäische Politik bewege sich nämlich nicht mit "Druck", sondern durch Konsensus". [Basler Zeitung, 13.11.99] Frau Reding sprach und ging. Die Entwicklung holte sie aber rasch ein: "Nicht mit Druck", sondern "mit Konsens" werde in der EU politisiert? Hohler kann eine Phrase gar nicht sein! Was ist denn mit Österreich, Frau Reding? Nennen Sie das Konsens oder Druck? Und noch etwas: Soll unsere Jugend mit der hohen EU-Jugendarbeitslosigkeit in Austausch treten?
Der Bundesrat - Bannerträger für die UNO-Beitrittsinitiative Der Bundesrat rennt den Initianten "Für den Beitritt der Schweiz zur Organisation der Vereinten Nationen (UNO)" voran. Schon vor dem Start der Unterschriftensammlung am 8. September 1998 hatte der Bundesrat die Initiative quasi zu seiner eigenen gemacht. Das ist bisher einmalig in der Geschichte des Schweizerischen Bundesstaates. Der Bundesrat hält offensichtlich nicht viel von der direkten Demokratie und der schweizerischen Neutralität. Am 8. März 2000 läuft die Sammelfrist für die Initiative ab. Trotz massivster Unterstützung von Seiten des Bundesrates, der Bundesverwaltung und der meisten Medien läuft die Sammlung äusserst harzig. Das Versagen der UNO in verschiedenen Konflikt- und Kriegsgebieten (Ruanda, Angola, Osttimor, Kambodscha, Afghanistan, Bosnien, Kosovo), und das Bewusstsein, dass eine eingebundene Schweiz zum Werkzeug von Grossmachtinteressen des (Sicherheitsrates) degradiert würde und Sanktionen mitzutragen hätte, hält viele Schweizerinnen und Schweizer auf Distanz. Bei jeder Möglichkeit beschwören die Mitglieder der Landesregierung die "Notwendigkeit" des UNO-Vollbeitritts. Am 25. Januar 2000 hat Bundesrat Deiss, Chef des Departements für Auswärtige Angelegenheiten, anlässlich des Dolder- Meetings in Zürich folgendes gesagt: "Das Fehlen der Schweiz in der UNO ist nicht nur ein Anachronismus, sondern eine "chronische Anomalie". Und das Abseitsstehen der Schweiz zeuge von einem "verschrobenen Exotentum gegenüber 99,9% der Weltbevölkerung". Und genüsslich berichtet der Tagesanzeiger vom 26. Januar 2000:"Vor 350 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Kultur... rief Bundesrat Deiss (am besagten Dolder-Meeting) dazu auf, die UNO-Beitrittsinitiative, deren Zustande- kommen noch unsicher ist, zu unterschreiben." Mit einer "privaten innerbetrieblichen Sammlung" solle die laufende UNO-Initiative unterstützt werden, erfuhren Hunderte von Bundesbeamten in einem Mail, das verwaltungsintern verschickt wurde. Ein Diplomat im Aussenministerium (EDA), Emanuel Jenni, hatte es selbst verfasst. "Als Leiter der Sektion UNO", schrieb er, "arbeite ich mit meinen Mitarbeiter- innen und Mitarbeitern an der vordersten Verwaltungsfront an der Umsetzung dieses Bundesratszieles." Jenni regte an, auch die "Lieben zu Hause sowie Freunde und Bekannte an der Aktion teilnehmen zu lassen" und ihm die Unter- schriften zuzustellen: "Ich werde die Formulare en bloc gesamthaft selber zum Versand bringen." Die "innerbetriebliche" Propaganda brachte bisher einige hundert Unterschriften. Ein Zustupf, den die Initianten gut gebrauchen können: Immer noch fehlen dem breit abgestützten Komitee 20'000 Unterschriften, damit das Volksbe- gehren bis am 8. März sicher zustande kommt. Jenni erachtet sein Engagement als korrekt: "Ich unterstütze nur den Bundesrat, der ja selbst bis 2003 in die UNO will." [Die Weltwoche, 27.1.2000] "Unproblematisch ist es nicht, wenn ein Chefbeamter amtsintern für eine Initiative weibelt, die den nach wie vor gültigen Volksentscheid in gleicher Sache kippen will. Schliesslich wurde der UNO-Beitritt im März 1986 mit 1'600'000 Nein gegen 511'000 Ja-Stimmen verworfen. Streng genommen muss diese wuchtige Ablehnung heute noch die UNO-Politik im EDA leiten - besonders, weil das Stimmvolk 1994 nachdoppelte und auch die Blauhelm-Vorlage versenkte. Es zeugt - gelinde gesagt - von einem eigenartigen Demokratieverständnis, wenn in der Verwaltung "Politik" gemacht wird. Dieser Tatbestand ist nicht akzeptabel, umso mehr als das Ganze im Widerspruch zu mehreren Volksent- scheiden steht. Ein parlamentarisches Vorgehen gegen solche Machenschaften in der Frühjahrssession der Eidg. Räte drängt sich deshalb auf.
Eine Seilschaft der besonderen Art: VBS-FDP-CVP-SPS-GSoA Während die AUNS mit ihren über 36'000 Bürgerinnen und Bürgern von der classe politique weitgehend verschmäht wird, "scharwänzeln" bürgerliche Politiker, darunter auch Generalstabsoffiziere, mit der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GsoA) herum. Sie versuchen krampfhaft, mit einer "Frisierung" der vorliegenden Teilrevision des Militärgesetzes, welche den bewaffneten Auslandseinsatz von Schweizer Soldaten ermöglichen soll, die Armeeabschaffer von einem Referendum abzubringen. Exponenten der SPS forderten Ende Januar in der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates, dass der Umfang der Bewaffnung beschränkt werden und zwingend ein UNO- oder OSZE-Mandat für den Einsatz von Schweizer Truppen vorliegen müsse. Nachdem eine Mehrheit diese Einschränkungen ablehnten, bemühte sich selbst der Chef des Verteidigungsdepartementes, die SP-Nationalrätin Barbara Haering nach Rat zu fragen, wie man in der Bewaffnungs- frage "handelseinig" werden könne... Es ist geradezu rührend, wie bürgerliche Politiker, Offiziere und VBS-Exponenten mit den direkten (GsoA) und indirek- ten Armeeabschaffern (SPS: Armee-Halbierungs-Initiative) kollaborieren. Bedenklich, auf was für einem Nährboden die schweizerische Landesverteidigung in Zukunft Wurzeln schlagen soll... In der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates sprach sich eine Mehrheit dafür aus, dass nicht nur ein UNO- oder OSZE-Mandat für den Einsatz von Schweizer Soldaten genügen soll, sondern das Einverständnis der betroffenen Staaten. Die Kommissionsmehrheit nannte als Beispiel Tschetschenien. Wenn die russische Regierung die Schweiz ersuche, in der Kaukasus-Republik friedensstiftend zu wirken, sollen Schweizer Truppen in den Einsatz gelangen. [Der Bund, 26.1.2000] Kein Armee-Einsatz zum Schutz der eigenen Landesgrenze gegen die illegale Einwanderung - aber in Tschetschenien auffahren...
Die Divisions- und Brigaderapporte finden jeweils im Januar statt. Üblicherweise geht es für die Heereseinheitkomman- danten darum, über die Auftragserfüllung ihres Verbandes im vergangenen Jahr Bilanz zu ziehen. Und selbstverständlich sind für das neue Jahr die Ziele zu setzen und Konsequenzen aus dem Vorjahr zu ziehen. Erstes Ziel muss die Kriegstauglichkeit des Verbandes sein, wie es auch in der Bundesverfassung (Art. 58) steht. Leider stehen diese Rapporte immer mehr im Zeichen der Militärpolitik, des "Internationalismus", der sogenannten "Sicherheit durch Kooperation", was ganz auf der Linie des Verteidigungsdepartementes liegt. Es werden Nato-, Bundeswehr- und Bundesheergeneräle eingeladen, die den Offizieren und Unteroffizieren eintrichtern, welche "solidarische" Aufgaben die Schweizer Armee in der Welt unbedingt wahrnehmen muss. Und es werden Podien mit Armeeabschaffer-Beteiligung, wo die Ausland-Kooperation der Armee (die es ja gar nicht geben soll!) verherrlicht wird. Der militärische Ausland-Einsatz wird quasi zur Rechtfertigung der Schweizer Armee herangezogen. Bewaffnete militärische Einsätze (zur Erfüllung des Auftrages sogar mit schweren Waffen, z. B. auch Schützenpanzern) bilden die Gefahr der Parteinahme und Verwicklung in Kampfhandlungen und gefährden dabei die neutrale, unparteiische humanitäre Arbeit sowie Vermittlungstätigkeit der Schweiz. Zudem besteht auch die Gefahr einer Einbindung in inter- nationale Grossgebilde und Machtstrukturen. Unsere Armee, unsere Soldaten haben unser Land zu verteidigen und zu beschützen und nicht an militärischen Einsätzen - als moderne und bezahlte Söldner - teilzunehmen. Um eine Vermischung mit militärischen Einsätzen und ziviler Aufbauarbeit zu vermeiden, sollte die Aufbauarbeit an Ort und Stelle ausschliesslich durch das Schweizerische Katastrophenhilfekorps (SKH) erfolgen. Das SKH ist deshalb personell und materiell auszubauen und insbesondere mit Genie-, Sanitäts- und Versorgungsmaterial namhaft zu verstärken. Unsere erfolgreich praktizierte Neutralität, die Guten Dienste gegenüber Drittstaaten, die bewährten, tradi- tionellen humanitären Leistungen (Rotes Kreuz, Katastrophenhilfekorps, Hilfswerke, Aufnahme von Kriegsflüchtlingen, Rückkehrhilfe, Finanzierung und Unterstützung beim Wiederaufbau) bilden den Solidaritätsbeitrag des Kleinstaates Schweiz an die Völ- kergemeinschaft und sollen nicht mit militärischen Einsätzen im Ausland vermischt und verwässert werden. Im Vorjahr 1999 z. B. hat die Schweiz über 45 000 Flüchtlinge, Deutschland, mit zehnmal mehr Einwohnern, über 95 000 Flüchtlinge aufgenommen - im Verhältnis zur eigenen Bevölkerung hat die Schweiz am meisten Asyl- bewerber aufgenommen und damit einen aussergewöhnlichen Solidaritätsbeitrag geleistet, welcher auch vermehrt kommuniziert werden muss. Ernst Reutimann, Bassersdorf [Tages-Anzeiger, 8.2.2000] Die sicherheitspolitischen Bestrebungen des Verteidigungsdepartementes und der Regierung gehen in die falsche Richtung. Der Einsatz von Schweizer Soldaten im Ausland gefährdet die dauernde, bewaffnete Neutralität der Schweiz. Die Sicherheit des Landes wird aufs Spiel gesetzt und die humanitäre Kompetenz der Schweiz in Frage gestellt. Für den Referendumskampf rüsten wir uns heute schon. Wir sind Ihnen dankbar, wenn Sie die AUNS-Kriegskasse zur Wahrung der Neutralität mit einer zusätzlichen Spende unterstützen können!
Post aus Polen "Ich möchte mich bei Ihnen im voraus für
die Dokumentation sehr bedanken, auch für diejenige, die Sie mir früher
geschickt haben. Ich bin nämlich Studentin der Wirtschaftsuniversität Poznan
in Polen. Das Thema meiner Magister- arbeit ist: Die ausgewählten Gewinne
und Kosten eines Beitrittes (oder Nicht-Beitrittes) der Schweiz an
die EU. Für mich sind Ihre Argumente sehr überzeugend und interessant
(auch deswegen), dass man beobachten kann, dass die Argumente von
schweizerischen und polnischen EU-Gegnern vergleichbar sind (also
die Ängste zum Beispiel), obwohl die Situation beider Länder verschieden
ist.Ich bezeichne mich lieber auch als eine EU-Gegnerin..." |
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